Das Poetenwäldchen an der Pegnitz
Bevor der Irrhain 1676 entstand, nutzten die Pegnitzschäfer ein erstes Poetenwäldchen an
der Pegnitz im Nürnberger Ortsteil St. Johannis, nahe dem heutigen Westbad.
Seit 2000 erinnert ein Gedenkstein an diesen Ort. Er steht im Zentrum eines Amphitheaters, das
die Möglichkeit für Lesungen bietet. Der Blumenorden veranstaltet solche Lesungen im Sommer.
|
Rede des Präses zur Einweihung des Gedenksteins
am 7. Oktober 2000
an der neuen Gedenkstätte mit
Lesepult, Bronzeplatte und Sitzreihen am Poetenwäldchen
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Pegnesen,
|
ich begrüße Sie herzlich und freue mich über Ihr Erscheinen.
Lassen Sie uns trotz des unsicheren Wetters ein wenig feierlich sein;
der Anlaß ist selten und bedeutend.
Über dreihundert Jahre lang hat sich in der Öffentlichkeit niemand darum gekümmert,
daß in dieser Gegend der erste Treffpunkt der Gründungsmitglieder des Pegnesischen Blumenordens war.
Und doch, wenn wir die Umgebung besehen, die feuchtgrüne Aue mit dem wieder einigermaßen
klaren, eilenden Fluß, die nervösen Pappeln und die biederen Ahornbäume, die Weiden,
die Gräben, das Wasserrad - sie alle, jedenfalls ihre ähnlichen Vorläufer,
haben damals einen Weg in die Dichtung gefunden, und ohne diesen Ort wäre nicht nur
die Nürnberger Literaturgeschichte, sondern deutsche Naturdichtung überhaupt
ein wenig anders geworden.
|
 |

|
Es ist nicht ganz genau der Ort; wir konnten diesen Gedenkstein
leider nicht gut im Schulhof oder auf dem Sportplatz der Löhe-Schule errichten, wo einst wirklich jene Altwasser-Halbinsel mit dem schon von Dürer aquarellierten Weiherhaus sich befand. Da aber die Verhältnisse hier wieder in beinah der alten Weise hergestellt wurden, mögen nun Gedenkstein und Umgebung zusammenwirken, die Erinnerung wachzuhalten und auch ähnliche poetische Kräfte anzuregen.
|
Im Mai wurde Frau Fürstenhöfer von Herrn Grieb mit dem graphischen Entwurf beauftragt, die galvanoplastische Vorlage war im August fertig, der Stein wurde am Ende der vorigen Woche gehauen, am Donnerstag geliefert und aufgestellt, der Guß der Platte fand am Mittwoch statt, montiert wurde sie gestern. Es ging zeitlich knapp zu. Aber wir sind nun in der glücklichen Lage, allen Beteiligten und Helfern ein tiefgefühltes Vergeltsgott zu sagen:
|
Herrn Cantzler für den Einfall und das beharrliche Nachhaken; Herrn Grieb, dem Vizepräses, für den Großteil der organisatorischen Arbeit im Stadium der Durchführung, Frau Fürstenhöfer für einen geschickten, eindrucksvollen Entwurf des bildlichen Teils der Platte, Herrn Winkelmeier und Herrn Brehm vom Wasserwirtschaftsamt für unerschütterlichen guten Willen und, zum Schluß, energische Förderung, Herrn Jahn von der Gießerei Lenz für den gelungenen Guß in letzter Minute, und allen, die unsere Feier heute noch verschönen.
|
|
|
Es sprachen dann Herr Cantzler und Herr Winkelmeier aus ihrer Sicht über den Hergang, und zuletzt rezitierte Herr Recknagel aus dem "Pegnesischen Schäfergedicht" von 1644 die auf den Ort bezüglichen Stellen.
|
|