"Mit den besten Grüßen am ersten Tag des Herbstes in diesem Jahr:
Erstes Gold im Mais
und der Himmel weit klarer,
dieses helle Blau.
Dies hat sich Charlie Trumbull, ein bei der "Encyclopædia Britannica" in Chicago vielbeschäftigter Mann und sehr guter Haiku-Autor, so übersetzt:
First gold in the corn:
the sky is even clearer,
that brightest of blues
und auch er sieht nicht, daß "weit" hier ein Adjektiv sein kann und daß es als Adverb "by far" sein könnte. Aber ihm hat mein Text gefallen. Sie können ihn mit meinen Grüßen in die nächsten herbstlichen "Mitteilungen" aufnehmen."
Horst Ludwig hat 1995 unter dem Titel "Minnesota-Herbst" 60 Haiku zusammengestellt, aus denen hier eine Auswahl getroffen wird
Herbstabendgüsse.
Mit aufgekrempten Hosen
ein alternder Mann.
In Japan sehen
die Schirme lustiger aus.
Und jetzt ist Ernte.
Schlaflose Herbstnacht.
Die knackigen Äpfel sind
nicht gut fürs Gebiß.
Im jungen Ahorn
die ersten roten Zweige
in kühlerem Licht.
Raschelnde Blätter
auf dem geteerten Parkweg —
und alte Leute.
Herbstabendsonne
auf dem Wege zu einem
kranken Jugendfreund.
Sonntagsglockenklang
durch das farbenfrohe Laub.
sechs, sieben Rehe.
Denver 8 Zoll Schnee
In zwei Tagen ist er hier.
Rechen wir das Laub.
In Niederungen,
als wären es Schneefelder,
Herbstnebelstreifen.
Die Erstkläßlerin
nimmt einen frischen Apfel
in die Schule mit.
Ich bringe den Kindern
die ersten Kastanien
aus dem College mit.
Scheinendes Weißgold.
Mais bis zum Horizont — und
Riesenmähdrescher.
Tiefdunkle Herbstnacht.
Dunkler noch die Umrisse
eines Besuchers.
Spätherbstlich naßkalt
und ohne Sonnenball geht's
in den Arbeitstag
Herbstkalte Frühe.
Kinder warten auf den Bus,
den Blick zur Erde.
Indianersommer.
Zum Sonntagsfrühstück letzte
Gartentomaten.
Das Gras liegt schon flach.
Die Katze mit kaltem Blick
vorsichtig vorwärts...
Fast leeres Gefild.
Im niedrigen Wolkenhang
ein sichtbarer Fleck.
Erregte Vögel
in den entlaubten Zweigen. —
Zurück zur Arbeit.
Erster Schneestaub. Ich
mische Öl ins Benzin für
die Motorsäge.