Hans König

Dipl.-Verwaltungswirt (FH), geboren 30. September 1925 in Erlangen. Nach der Schulzeit Eintritt bei der Stadt Erlangen als Beamtenanwärter. Von 1942 bis 1945 Reichsarbeitsdienst und Kriegsdienst. Danach Fortsetzung der Ausbildung an der Bayerischen Verwaltungsschule mit Ablegung der Verwaltungsprüfung für die gehobene Beamtenlaufbahn. Einsatz in der Stadtkanzlei, im Versicherungsamt, in der Stadtkasse und im Hauptamt. Ab 1971 Leiter des Hauptamtes. 1986 Ruhestandsversetzung als Verwaltungsoberamtsrat.

Seit 1967 publizistisch tätig. Veröffentlichungen in örtlichen und überörtlichen Zeitungen, Kulturzeitschriften, Anthologien (auch international), im Fernsehen, Hörfunk und Literaturtelefon, auf Plakaten und in eigenen Büchern. Beteiligung an Literaturausstellungen in Erlangen, Nürnberg, Roth, Schwabach, Schweinfurt, Würzburg u. a. Städten.

Schreibt Lyrik und Prosa, in ostfränkischer Mundart und in Hochsprache, wobei die Mundart überwiegt.

Vorträge und Lesungen in Schulen. Volkshochschulen. Studentenverbindungen. Jugend- und Altenklubs, Gewerkschaften, Vertriebenenverbänden und Heimatbünden.

ABGESCHOBEN

 

In den Kerben

Deines Gesichts

lese ich Deine

neunzigjährige Vergangenheit.

 

Im Flur des Altenheims

umarmst Du mich,

streichelst glückselig seufzend meine Hand:

"Endlich, endlich

bist Du gekommen,

mich heimzuholen!"

 

Was soll ich Dir antworten?

Soll ich Dir sagen, daß ich mich schäme,

schäme für die Deinen,

schäme für Deinen Sohn —

unbekannte Mutter?

 

Bauernkerwa

 

Neili do wori

af anna Kerwa

anna echd frengischn Bauernkerwa

in dä Frengischn.

 

Afn Dorfplatz

woarn ummern Kerwabaam

Budn und Stend afgstelld

und diregd vor dä Kerng

die "Spielhölle Monte Carlo"

 

Vor anna Beggerei

woar a Schild ghengd

af den gstandn is

"Frische Berliner (Krapfn) à 1,10 DM".

 

In Wertsgaddn vo dä "Lindn"

hod a echd frengischa Blooskabelln

ferchderli laut gspilld

zuerschd es Lied "Marmor Stein und Eisn bricht"

und danoach als Zugoab

wall die Leid so arch badschd ham

"Kreuzberger Nächte sind lang."

 

Dä Tanzbodn

woar abgsperrd.

 

In zweidn Wertshaus

dä "Pizzeria Napoli"

woars aweng ruihchä

do hod blos a Tonband

siedlia Gidarrnmusig gspilld.

 

Zu essn hods gem:

Rheinischn Sauerbroadn

mid schwäbischa Speedzli

Wiener Schnitzl

mit griechischn Saload

"Eisbein mit Weinsauerkraut"

und nadierli aa

"Pizza, Cannelloni

und Pasta asciutta."

 

Die langhoarin

Bärschli und Madli

waarn alle gleichmässi

ohzohng mid echd

ameriganischa Bludschiens

und baawellia Hemmerdä.

Blos zwaa Ameriganer

zwaa schwadza vo dä Kasern

in Bamberch

ham a Trachd ohghabbd:

echda baierischa Leddähosn

und Tirolerhiedli.

 

Vor an aldn Fachwerkhaus

mid gelbweisa und rodweisa Fähnli

an die Fensdä

is a alda Baieri gstandn

und hod gsachd:

Morng missdä kumma

morng do tanzns in Bedzn raus

undern Kerwabaam —

gella mir haldn

hald nu woss

af unseri Braich!

 

Nebelland

 

Blind schleichd dä Dohch

durch die Wiesn

und Felder.

 

Im Wald

greind dä Wind

in die Baam.

 

Schwadza Kroha

fladdern laut

umanander.

 

Af an Strauch

grinsd a Kaizla

im Traam.

 

LIEBSGESTÖHN

 

Endweddä der

oddä iich

hobbera gsachd —

 

Etz binni widdä

ganz allaans.

 

Wennsd nu a aanzis Moll

nemnaus gehsd

konnsd schaua

wiesd widdä reikummsd.

 

Woss greinsdn

scho widdä

iich hobs doch

goar ned so gmaand —

alda Dolln.

 

Do hod mä

an Hafdn Hemmerdä

und wenn mä

amol a frischs brauchd

sin alla zwaa glei

af amol in dä Wäsch.

 

Soa Fraa

kummd aan scho teiä —

no ja

obbä dofier

hod mäs hald aa

recht lang.